Der einfachste Weg, um auf internationaler Ebende Preise zu vergleichen, ist immer noch ein Besuch bei MacDonald’s: Den Big Mac gibt’s überall und er ist eines der weltweit standartisiertesten Produkte überhaupt. Unter der Annahme von Kaufkaufparität müsste er deshalb theoretisch auch in allen Ländern gleich teuer sein. Kostet er in der Schweiz aber z.B. CHF 7 und im Ferienland umgerechnet nur CHF 5 wäre die lokale Währung vergleichsweise günstig. Ein Besuch bei MacDonald’s gehörte deshalb bisher auf meinen Reisen aus purem Interesse immer zum Pflichtprogramm – schliesslich hat man ja mal Wirtschaft studiert (für die Besserwisser unter Euch: Ich weiss selbst, dass diese Erklärung der Kaufkraftparität eine starke Vereinfachung war – wenn ihr die ganze Abhandlung wollt dann schaut Euch die Fachliteratur an).
Und in Buenos Aires? Fehlanzeige! MacDonald’s verkauft hier keine Big Macs! Das berühmteste Produkt der Fastfood-Industrie wird in Buenos Aires nicht angeboten! Wobei: Es gibt ihn schon zu kaufen, den Big Mac, aber er ist in den Menus über der Verkaufstheke nirgends aufgeführt – weder in Bild noch Schrift und schon gar nicht mit einem Preis. Aber man kann ihn problemlos bestellen. Und: Er ist im Vergleich einiges billiger als die übrigen Burger. Während die sonstigen Double-, Triple- oder Wie-auch-immer Burger-Menus hier alle 40-50 Pesos kosten, wäre das Big Mac-Menu bereits für 29 Pesos zu haben…Weshalb aber will MacDonalds den Big Mac anscheinend gar nicht verkaufen?
Dieses kuriose Phänomen ist in der Presse verschiedentlich beschrieben worden: Die argentinische Regierung versucht seit einigen Jahren mit teilweise abstrusen Eingriffen in die freie Preisbildung die wahre Höhe der Inflation zu verschleiern. Während die offzielle Inflationsrate bei 10 Prozent liegt, gehen zahlreiche unabhängige Experten von einer tatsächlichen Inflationsrate von 25-30 Prozent aus! Durch Fixierung der Preise verschiedener Produkte, die im argentinischen Kosumentenpreisindex enthalten sind, wird die offzielle Inflationsrate tiefgehalten. Die Regierung versucht dadurch die inländischen Erwartungen zu beeinflussen und internationale Vergleiche zu erschweren. Falls z.B. die Bevölkerung glauben würde, dass die Inflation nur 10 Prozent beträgt, würde das die Lohnverhandlungen der Regierung mit den Gewerkschaften einiges günstiger machen (Natürlich glauben die Argentinier ihrer Regierung nicht, die sind ja nicht blöd. Aber versuchen kann man’s doch mal…). Neben diesen Preisfixierungen hat die Regierung auch zahlreiche Import- und Exportbeschränkungen eingeführt. Das iPhone gibt es hier z.B. nicht zu kaufen, weil die Regierung von Apple verlangt hat, das Smartphone in Argentinien selbst zu produzieren anstatt es zu importieren. Und da Apple sich nicht darauf eingelassen hat, surfen hier jetzt alle mit Blackberry…
Der Big Mac als Instrument für internationale Preisvergleiche ist durch den Big Mac-Index des ‘Economist’ berühmt geworden. Die Vermutung liegt nahe, dass die Regierung aus diesem Grund von MacDonald’s verlangt hat, den Big Mac hier billiger zu verkaufen als die anderen Burger. Aber weil das Unternehmen sein Produkt verständlicherweise nicht zu billig abgeben will, wird der Big Mac nun einfach nicht mehr in den Menus aufgeführt in der Hoffnung, dass niemand mehr einen bestellt. Offzielle Begründung von MacDonald’s für den fehlenden Big Mac ist übrigens, dass der Verkauf neuer Produkte gefördert werden soll…
Und wenn ihr jetzt denkt ‘Die spinnen doch, die Argentinier’ dann habt ihr vielleicht recht. Andererseits: War da nicht kürzlich mal was mit der Manipulation des Libor-Satzes, an der eine schweizerische Bank beteiligt war…ups!


Und es gibt ihn doch: Selbstversuch 14.1.2013, 13.15h, MacDonalds-Filiale Ecke Florida und Peron, Preis 29 Peso, schmeckt wie üblich Sch…
Links:
http://www.economist.com/search/apachesolr_search/big%20mac%20index
http://latitude.blogs.nytimes.com/2011/11/24/argentinas-big-mac-attack/
http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424127887323981504578177363471583792.html
